Rudersport

 

 


Um den Rudersport noch anschaulicher zu machen und die Begeisterung der Sportler zu vermitteln, veröffentlichen wir hier ein Referat, das ein jugendlicher Amicitia-Ruderer im Kontext seiner schulischen Arbeit im Jahr 2006 erstellt hat.

Rudersport

Kurzreferat im Fach Deutsch, Klasse 6b am Lessing-Gymnasium

Seit einem halben Jahr übe ich eine tolle Sportart aus, von der ich heute berichten will: Rudern! Schon seit längerem habe ich diese Sportart als Außenstehender beobachtet, weil mein Bruder seit über 2 Jahren rudert. Begeistert erzählte er zuhause davon und einige Male kam ich zu Regatten als Zuschauer mit, bis ich in diesem Frühjahr endlich alt genug war, das Rudern einmal selbst auszuprobieren. Was ich mir versprochen hatte, ist eingetreten: Ich bin ein begeisterter Ruderer geworden! Deshalb möchte ich auch heute davon erzählen und gehe im Einzelnen wie folgt vor:

1. Geschichte des Rudersports mit der Entwicklung des Ruderbootes, sowie des Rennruderbootes

2. Aufbau eines Rennruderbootes heute

3. Bootsgattungen

4. Voraussetzungen, um Rudersport zu betreiben

5. Wie sieht eine Trainingseinheit aus?

6. Vorteile meines Hobbys

1. Geschichte des Rudersports mit der Entwicklung des Ruderbootes, sowie des Rennruderbootes

Seit wann genau es Boote gibt, ist nicht bekannt – aber wir wissen, dass die Menschen sich schon seit der Frühzeit auf dem Wasser bewegten. Höhlenmalereien zeigen Vorformen von Booten. Ganz zu Anfang fuhren die Menschen wohl auf Baumstämmen auf dem Wasser. Alternativ bündelten sie Äste, Zweige oder Schilf. Beispiele von solchen Schilf- oder Papyrusbooten kennen wir aus dem alten Ägypten. Dabei wurde das Boot durch eine lange Stange, die auf Grund gestoßen wurde, vorwärts bewegt. Da man nicht überall den Grund berühren konnte, band oder nagelte man Bretter an Holzstiele und schuf so die erste Form von Paddeln. Später wurden die Paddel an der Bordwand befestigt, um einen effektiveren Ruderschlag zu ermöglichen. Schnelligkeit und Beweglichkeit spielten in der Weiterentwicklung der Boote eine große Rolle. So erhielten die Boote mehrere Ruderbänke übereinander, die bei erhöhter Geschwindigkeit den Vortrieb entscheidend verstärkten, ohne dadurch wesentlich länger und schwerer zu werden. Bei den Phöniziern waren es zwei Ruderbänke übereinander – die Boote nannte man Biremen - daraus entwickelten die Griechen Boote mit drei übereinander liegenden Ruderbänken, die so genannten Trieren.

Im Verlauf der Zeit wurden Ruder auf dem offenen Meer immer seltener, es wurden zunehmend Segel benutzt. Dennoch blieb auch das Ruderboot ständiger Begleiter der Menschen. In Venedig wurden Ruderboote entwickelt, die so genannten Gondeln, gerudert von den Gondolieren, die stehend ruderten. Auf dem Canale Grande wurden so um etwa 1300 Wettfahrten ausgetragen, bei denen zum ersten Mal das Wort Regatta gebraucht wurde.

Ursprung des Rennruderbootes lag in England. Die Adligen besaßen Ruderboote, in denen sie über die Flüsse spazieren gefahren wurden. Je nach Stand durften sie eine gewisse Anzahl an Ruderern nicht überschreiten: während der König von 10 Ruderern gefahren wurde, durften Herzöge von 8 Ruderern, Earls von 6 Ruderern und niederer Adel von 2 oder 4 Ruderern gefahren werden. Die Söhne der Adligen wollten wohl nicht auf die Boote an ihren auswärtigen Studienorten an den Universitäten verzichten. Dort mussten sie allerdings selbst rudern, weil ihnen keine Diener zur Verfügung standen. Hieraus hat sich vermutlich der Rudersport entwickelt, der von den englischen Universitäten begeistert aufgegriffen und gefördert wurde.

1715 schrieb der Engländer Thomas Doggett den ersten Ruderwettkampf der Neuzeit aus, der sich an junge Fährleute richtete.

Die wohl bekannteste Regatta ist das so genannte „boatrace“, ein Wettkampf der Ruderachter von den Universitäten von Oxford und Cambrigde auf der Themse. Es wurde 1829 erstmals ausgetragen, das damals von der Mannschaft Oxfords gefahrene Boot ist noch heute im Original erhalten. Boote waren zu dieser Zeit einen Meter breit, da ein langer Innenhebel nötig war. Mit der Einführung des Auslegers konnten die Boote schmaler gebaut werden und waren infolge dessen leichter und schneller. Zu Beginn des Sportbootbaus hatten alle Boote noch eine verklinkerte Außenwand, d.h. die Außenhaut bestand aus ca. 6 mm starken Planken, die dachziegelartig übereinander lagen. 1844 wurde das erste Boot mit durchgehenden Planken gebaut. Die Boote konnten dadurch schneller durch das Wasser gleiten.

Seither gab es im Rennruderbau viele weitere Entwicklungen: Die modernen Rennruderboote sind nur noch manchmal aus Holz, oft aus Kohlefasern. Sie haben alle Ausleger. Was es mit diesen Auslegern auf sich hat, erkläre ich nun, indem ich den Aufbau eines modernen Rennruderbootes zeige.

2. Aufbau eines Rennruderbootes heute

Man unterscheidet heute zwei Bootstypen:

a)     Das Gig, ein leichtes Ruderboot, das aber stabil gebaut ist und als Lern- und Übungsboot, sowie als Wanderruderboot eingesetzt wird

b)     das Rennboot, das wesentlich leichter gebaut ist und das im Wettkampf auf die Merkmale und Fähigkeiten des Ruderers abgestimmt werden kann

Alle Rennruderboote, egal ob Gig oder Rennboot, haben Rollsitze, auf denen die Ruderer sitzen. Diese Rollsitze gleiten auf Rollschienen hin und her.

Jedes Rennruderboot besitzt außerdem Stemmbretter mit fest montierten Schuhen.

Diese Ausstattungsmerkmale werden je nach Ruderer anders eingestellt. An den Auslegern, zwei v-förmige Streben befindet sich die so genannte Dolle, an der das Ruder festgeschraubt wird. Man unterscheidet zwei Arten von Rudern:

a)     Skulls, sind kleinere Ruder, von denen jeder Ruderer zwei hat, nach rechts und nach links

b)     Riemen sind größere Ruder, von denen jeder Ruderer nur eines in der Hand hat, entweder nach rechts oder nach links

Ob mit Skulls oder Riemen gerudert wird, ist bereits das erste wichtige Unterscheidungsmerkmal der Bootsgattungen.

3. Bootsgattungen

Man nennt die Boote, in denen die Ruderer mit jeweils einem Riemen rudern, nach der Anzahl der Ruderer: Zweier, Vierer mit oder ohne Steuermann, Achter.

Rudern die Ruderer mit Skulls, also mit zwei Rudern, dann nennt man ihre Rennen Doppel-. Also ein Doppelzweier ist ein Ruderboot mit zwei Ruderern, die jeweils zwei Ruder (Skulls) in der Hand haben. Ein Doppelvierer ist ein Boot mit vier Ruderern mit jeweils zwei Rudern.

Ruderboote werden grundsätzlich mit einem, zwei, vier oder acht Ruderern besetzt. In jedem Boot außer dem Einer kann ein Steuermann oder eine Steuerfrau hinzukommen.

Rollsitze und Ausleger kann man auf diesem Foto gut erkennen. Es handelt sich um einen Doppelzweier, in dem also zwei Jugendliche mit jeweils zwei Skulls rudern.

4. Voraussetzungen, um den Rudersport zu betreiben

Wichtige Voraussetzung, um das Rudern zu erlernen, ist, dass man schwimmen kann. Es kann doch einmal passieren, dass man ins Wasser fällt und dann ist es wichtig, dass man sich ans Ufer oder wieder ins Boot retten kann.

Rudern ist ein Sport, der Ausdauer und Kraft erfordert. Es ist wichtig, dass man die Bewegungsabläufe richtig macht, sonst kann man sich verletzen oder auf Dauer Muskeln, Sehnen oder Knochen gefährden. Deshalb sollte man das Rudern unbedingt unter Anleitung erlernen, am besten in einem Verein.

In meinem Verein, dem Ruderverein Amicitia hat man mir gesagt, man sollte 12 Jahre alt sein, bevor man mit dem Rudern beginnt.

Einmal jährlich muss man sich einer ärztlichen Untersuchung unterziehen, besonders genau betrachtet werden dabei die Wirbelsäule und das Herz. Der Arzt bestätigt die Gesundheit in einem Gesundheitspass. Nur wenn man diesen hat, bekommt man eine so genannte Ruderlizenz und nur mit dieser darf man an Regatten teilnehmen.

Benötigt wird natürlich ein Boot mitsamt Skulls, das aber vom Verein zur Verfügung gestellt wird. Der Ruderer muss sich lediglich um seine Sportkleidung kümmern, am besten verwendet er eng anliegende Laufkleidung. Schuhe sind nicht nötig, da auf dem Stemmbrett bereits Schuhe vormontiert sind, in die man schlüpfen kann.

5. Wie sieht eine Trainingseinheit aus?

Ich beschreibe hier eine Trainingseinheit auf dem Wasser:

Wenn wir zum Training kommen, entscheidet unsere Trainerin zunächst, wer an diesem Tag in welchem Boot fahren soll. Das hängt davon ab, welche Kinder zum Training gekommen sind, wer bald an einer Regatta teilnehmen soll, mit wem er dann dort fahren soll, usw. Ich fahre meistens zusammen mit einem Freund in einem Doppelzweier. Die Trainerin sagt uns dann auch, welche Boote wir an diesem Tag rudern sollen.

Damit niemand verloren geht, tragen wir uns in ein Fahrtenbuch im Bootshaus ein: Wer fährt mit wem, mit welchem Boot, wann war die Startzeit? Wir haben ein elektronisches Fahrtenbuch, also einen Computer. Es kann so genau überprüft werden, wer momentan auf dem Wasser sein müsste und ob am Abend wieder alle Boote und Ruderer zurückgekommen sind.

Wir tragen dann zunächst unsere Skulls auf die Pritsche am Neckar und legen sie bereit. Dann helfen wir uns gegenseitig nacheinander, die benötigten Boote ans Wasser zu tragen. Für jedes Boot gibt es einen Verantwortlichen, der dann die Befehle gibt, z.B. „drehen zum Land“ oder dann „weit ins Wasser absetzen“, „Mannschaft steigt ein“ usw. Es ist wichtig, dass man sich an diese Befehle genau hält, sonst ist das gemeinsame Einsteigen und Ablegen fast nicht möglich. Die Skulls werden direkt am Wasser in die Dollen am Ausleger geschraubt.

Vorher hatten wir von unserer Trainerin gesagt bekommen, wie weit wir an diesem Tag rudern sollen und nun kann es losgehen – vom Fernmeldeturm in Richtung Neuostheim. Meist rudern wir ungefähr 6-8 km. Die Trainerin fährt mit einem Motorboot die Trainingsstrecke entlang und schaut bei allen Ruderern, gibt Tipps, verbessert falsche Haltungen, usw.

Wenn wir zurück an unserer Pritsche sind, steigen wir wieder gemeinsam aus, tragen das Boot zurück in die Bootshalle und säubern es dort. Dazu gießen wir mit einer Gießkanne Wasser über die Unterseite des Bootes und trocknen es ab, bevor es an seinen Platz in der Bootshalle zurück gelegt wird. Wichtig ist dann wieder das Austragen aus dem Fahrtenbuch. Damit geben wir das Signal, dass wir heil zurück gekommen sind, tragen aber auch eventuelle Schäden am Boot ein.

6. Vorteile meines Hobbys

Rudern ist eine vielseitige und erlebnisreiche Sportart. Wenn ich trainiere, tue ich zugleich etwas für meine Gesundheit und meine Fitness.

Was die körperliche Fitness angeht, gibt es kaum einen Sport, der so viele Hauptmuskelgruppen trainiert, wie das Rudern. Dabei kommt die meiste Kraft nicht aus den Armen, sondern aus den Beinen. Schultern, Bauch, Rücken oder auch die seitliche Rumpfmuskulatur werden mit der normalen Ruderbewegung trainiert.

Um Kraft und Ausdauer auch an Land trainieren zu können, bietet mein Verein Amicitia auch Fitness-Räume. Mitgliedern steht nicht nur ein voll ausgestatteter Kraftraum zur Verfügung (die Benutzung ist allerdings erst ab 15 Jahren erlaubt und auch dann nur unter Aufsicht, damit der Körper nicht geschädigt werden kann), sondern ebenso ein Ergometerraum und ein Ruderbecken zum Trockenrudern. Ich kann mein Hobby also durchaus auch bei sehr schlechtem Wetter oder im tiefen Winter ausüben.

Meist jedoch bin ich dabei an der frischen Luft. Einen weiteren Vorteil sehe ich darin, dass wir nicht nur in den Booten trainieren, sondern dass auch andere Trainingseinheiten, wie z. B. Lauftraining, Gymnastik, Ballspiele durchgeführt werden. Das Lauftraining hat mir in diesem Jahr z.B. ermöglicht, beim MLP-Mini-Marathon mitlaufen zu können.

Besonders schön finde ich, dass ich im Verein neue Kinder kennen lernen konnte. Es herrscht dort eine tolle Atmosphäre. Man hilft sich gerne, zum Beispiel beim Tragen der Boote in Richtung Wasser oder aus dem Wasser zurück ins Bootshaus. Dabei kann man den Sport sowohl alleine, als auch in kleinen Gruppen ausüben – ganz wie man es gerne möchte.

Die Teilnahme an Regatten ist deshalb spannend, weil diese nicht so räumlich nah wie z.B. Fußballturniere stattfinden. Will man an einer Regatta teilnehmen, muss man schon mal ans andere Ende Baden-Württembergs fahren. Das geht nicht ohne eine Übernachtung dort in einem Zelt oder im Bootshaus eines befreundeten Vereins. Es ist schön, neue Gegenden, aber auch andere Ruderer kennen zu lernen.

7. Verwendete Literatur

  • Fritsch, Wolfgang: Tipps für Rudern. Meyer & Meyer Verlag, Aachen, 20042
  • Fritsch Wolfgang: Handbuch Rudersport. Meyer & Meyer, Aachen, 20064
  • Homepage der Amicitia-Ruderjugend

 

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